Geschichte der Aufgabensammlung

Die Übungsaufgaben dieser Sammlung stammen aus meiner langjährigen Lehrtätigkeit an der TU Wien. Da kein Verlag bereit war meine handschriftlichen Lösungen in LaTeX setzen und die zugehörigen Abbildungen mit einem Grafikprogramm zeichnen zu lassen, und ich selbst weder die Ressourcen noch die Zeit dazu hatte, haben diese Aufgaben seit meiner Pensionierung vor fünfzehn Jahren bei mir in Ordnern vor sich hin "geschlummert". In den dreizehn Jahren, in denen ich nun meine Aufgabensammlung "Übungsaufgaben zur Quantentheorie" für Studierende und Dozenten zum kostenlosen Download zur Verfügung stelle, gab es immer wieder Anfragen von Studenten, ob ich nicht auch Aufgaben mit Lösungen zu Elektrodynamik und Relativitätstheorie hätte. Meine Antwort lautete stets "Ja, habe ich, aber die Lösungen sind handgeschrieben, und ich habe nach meinen Erfahrungen mit der Aufgabensammlung zur Quantentheorie – von den vielen tausend Downloadern konnten sich nur 0,3% dazu entschließen fünf Euro als Spende zu den Homepagekosten beizutragen und nur 0,6% fanden es die Mühe wert wenigstens 'Danke' zu schreiben – keinerlei Motivation, die Arbeit für das Auswählen der Aufgaben, das Anordnen der Aufgaben nach Sachgebieten, das Erstellen eines Inhaltsverzeichnisses und das Einscannen des ganzen Konvolutes auf mich zu nehmen."

Das schrieb ich im Sommer 2018 auch Herrn David Stefanek aus Waldegg. Der aber ließ nicht locker. Er schrieb u.a.: "Falls Sie das machen, fände ich es großartig und ich wäre Ihnen sehr dankbar ... Ich halte es für eine ausgezeichnete Handlung. Sie helfen damit vielen Studenten ..., obwohl Sie nicht mehr unterrichten. Trotzdem versuchen Sie ... Studenten den Zugang zu solch schwieriger Materie zu erleichtern. Sie sind Lehrer und versuchen zu helfen, dafür wird man immer wenig Anerkennung erhalten." – Wie wahr, also habe ich es gemacht, aber nicht für die breite Downloader-Masse mit Gratismentalität, sondern für jene, die Hilfe wirklich brauchen und für diese auch dankbar sind.

Eingescannte handschriftliche Unterlagen haben natürlich viele Nachteile. Volltextsuche, Springen zu Gleichungen, anderen Aufgaben und Anhängen mit Hilfe von anklickbaren Links ist nicht möglich. Eine Hilfe zum "Navigieren" in der Aufgabensammlung geben die Seitenzahlen im Inhaltsverzeichnis. Ich empfehle dem Leser sich das Inhaltsverzeichnis extra auszudrucken und beim Arbeiten mit der Aufgabensammlung vor sich zu haben, um mit Hilfe der Seitenzahlangaben zu anderen Aufgaben, zu anderen Teilgebieten und zu den Anhängen "springen" zu können.

Die Sammlung enthält zum Teil Lösungen, die ich als "Musterlösungen" an die Studenten verteilt habe. Diese enthalten ausführliche Erklärungen zu den Rechnungen sowie Kommentare zu den Ergebnissen und zu Zusammenhängen mit anderen Aufgaben und sind sehr schön geschrieben. Alle anderen Lösungen sind Kopien meiner handschriftlichen Originalrechnungen, daher in meiner "Alltagshandschrift" und ohne ausführliche verbale Erklärungen, da ich mir selber ja beim Rechnen nicht erklären musste, warum ich etwas tue.

Zu den Bezeichnungen: Ich habe die Übungen parallel zu Vorlesungen verschiedener Vortragender gehalten, welche sich nicht auf einheitliche Bezeichnungen, Definitionen etc. einigen konnten. Dabei habe ich die Übungen immer möglichst an die aktuelle Vorlesung angepasst. Dadurch kann es beispielsweise vorkommen, dass die Beschleunigung in einer Aufgabe b (Beschleunigung) in einer anderen a (acceleration), die Kraft in einer Aufgabe K (Kraft) in einer anderen F (force) heißt etc., Vektoren sind teilweise kursiv fett teilweise mit Vektorpfeil geschrieben, für die sphärischen Multipolelemente sind nicht in allen Aufgaben dieselben Definitionen und Bezeichnungen verwendet (dazu gibt es einen eigenen Anhang, der die Unterschiede erklärt), auch das kartesische Quadrupolmoment ist uneinheitlich definiert, daher Vorsicht bei allen Aufgaben zur Multipolentwicklung. Derartige Inkonsistenzen würde ich in einer gedruckten Version natürlich eliminieren. Ob ich mich zur Beseitigung dieser Mängel schließlich doch noch dazu durchringen werde, die Lösungen in einer vereinheitlichten Form in LaTeX zu setzen, wird das Echo der Downloader (Dank, Spenden zur Finanzierung der Website) bestimmen.

Darüber, dass über fünfzehn Jahre alte Unterlagen noch in der alten deutschen Rechtschreibung verfasst sind, wird sich der Leser nicht wundern. Alles in allem: "Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul".